Bewerbungsanlagen. Die besten Profi-Tipps

Bewerbung AnlageZugegeben, es mag sicherlich auch für Sie verlockend klingen, wenn mit Blick auf die Bewerbungsmappe eine buchstäbliche Gruschtel-Schublade aufgeht, die als „Bewerbungsanlagen“ bezeichnet wird. Genau das sollte die Schublade allerdings nicht sein – ein Sammelsurium aus allem, was der Bewerber noch so zur Person gefunden hat und was vielleicht der Bewerbung dienen könnte. Was der Profi zum leidigen Thema Bewerbungsanlagen sagt, verraten wir in diesem Beitrag.

Verraten Sie uns zu Beginn bitte Ihre grundsätzliche Einschätzung zu Bewerbungsanlagen.

Personalreferenten: Um ehrlich zu sein, verteufle ich denjenigen, der die Bewerbungsanlagen geschaffen hat, tendenziell häufiger, als dass ich ihm dafür danke. Warum das so ist, kann ich Ihnen gerne erklären. Viele Bewerber nutzen Bewerbungsanlagen, um all das zu platzieren, was an keiner anderen Stelle in der Bewerbung Platz gefunden hat. Ähnlich verramscht sind Bewerbungsanlagen häufig. Da sie mir meist mehr Ärger bereiten oder mehr Nerven kosten, bin ich grundsätzlich kein Fan davon.

Also würden Sie die Anlagen einer Bewerbung gerne komplett abschaffen?

Personalreferenten: Ja und nein. Ich persönlich habe eine pragmatische Lösung für das Problem gefunden, denn: Ich fordere grundsätzlich immer eine Kurzbewerbung ein, die lediglich aus einem Anschreiben und dem Lebenslauf besteht. Damit umgehe ich das Problem, dass die Zeugnisse eines Bewerbers ja grundsätzlich auch in die Kategorie der Bewerbungsanlagen fallen.

Das heißt, Sie würden eigentlich Zeugnisse erlauben wollen, den Rest aber gerne streichen, oder?

Personalreferenten: Ja, liebend gerne. Können Sie das für mich organisieren?

Leider nein. Aber mal ehrlich, kommt denn an „Rest“ wirklich so viel?

Personalreferenten: Oh ja, Sie wären verblüfft, was hier alles auf meinem Tisch landet. Das Witzigste, was ich je in der Rubrik Anlagen gefunden habe, war sicherlich eine Urkunde eines Kindervergnügungsparks. Der Jugendliche, der sich um eine Ausbildung bei uns beworben hat, hat diese beigelegt um zu zeigen, wie geschickt er mit den Händen arbeiten kann.

Was haben Sie mit dieser Bewerbung gemacht?

Personalreferenten: Ich habe ihn eingeladen. Ich wollte wissen, wie ernst er das gemeint hat, oder ob er sich nur lustig machen wollte. Dramatischerweise hat er es echt ernst gemeint damit und hat den Tipp sogar von seinen Eltern bekommen. Das hat mich schon wirklich erschrocken, muss ich zugeben.

Gibt es denn noch andere Beispiele, in denen die Anlagen als Sammelsurium dienten?

Personalreferenten: Ja sicherlich. Das Zertifikat der Führerschein-Prüfung, obwohl es sich um die klassische Pkw-Klasse gehandelt hat, ein Englisch-für-werdende-Mütter-Kurszertifikat und dergleichen mehr. Deswegen vertrete ich ja auch die eingangs sehr drastisch formulierte Grundeinstellung: Bitte lieber keine Anlagen (außer Zeugnisse).

Verständlich. Gibt es denn auch positive Beispiele, die Sie nennen können?

Personalreferenten: Ein Deutscher, der lange Zeit in den USA gelebt hat, hat einmal seine Referenzen in die Anlagen gelegt. Das ist typisch US-amerikanisch bzw. wird in Deutschland eigentlich nur von Führungskräften praktiziert. Das finde ich sinnvoll – wenn es in Maßen passiert. Von jedem Arbeitgeber oder gar jedem Vorgesetzten ein Testimonial einzufordern, ist in jedem Fall übertrieben. Viel wichtiger als die Masse ist hierbei wirklich die Aussagekraft.

Das wird doch nicht das einzige Beispiel gewesen sein, oder?

Personalreferenten: In der Handwerkerbranche oder auch im Logistikbereich gibt es tendenziell bessere Möglichkeiten, wertige Bewerbungsanlagen beizulegen. Hier ist es nötig, dass Mitarbeiter durch stetige Weiterbildung am Ball bleiben. Meist legt die Ausbildung in diesem Bereich nur die Grundlagen auf die später weitere Qualifikationen aufgesetzt werden können. Hier interessiert es mich natürlich, wenn ein Mitarbeiter der Logistikbranche einen Gefahrgutschein oder ein Handwerker über eine spezielle fachspezifische Weiterbildung verfügt. Diese möchte ich dann bitte im Detail in einem Zertifikat nachlesen. Das ist spannend.

Also geht es Summa summarum um wertige, ergänzende Zusatzinformationen.

Personalreferenten: Richtig. Das Problem ist nur, dass viele Bewerber nicht zwischen wertigen und überflüssigen Bewerbungsanlagen unterscheiden können.

Haben Sie für diese Bewerber denn einen Tipp?

Personalreferenten: Ja, durchaus. Wenn das Zertifikat eine Frage aus der Stellenanzeige beantwortet, ist es wert, in die Anlagen einzuziehen.

Guter Tipp, haben Sie dazu ein Beispiel?

Personalreferenten: Ja, natürlich. Wenn ich nach einem Schweißer Fachmann suche, der die Qualifikation nach 141 P BW W23 wm t02 PF ss nb oder WIG-Cr Ni hat, dann darf dieser Schweißer Fachmann natürlich auch die genau dazu passenden Zertifikate in die Bewerbungsanlagen packen.

Und wann würden Sie ein Leistungsverzeichnis empfehlen?

Personalreferenten: In der Consulting-Branche ist das meist üblich. Sind wir auf der Suche nach einem Berater, würden wir ein entsprechendes Leistungsverzeichnis also gerne in den Bewerbungsanlagen sehen.

Und wie ist es um das Anlagenverzeichnis aus Ihrer Sicht bestellt?

Personalreferenten: Sinnvoll. Gut. Gerne. Allerdings mit der Einschränkung, dass ein Anlagenverzeichnis natürlich nur dann Sinn macht, wenn mehr als fünf Anlagen Teil der Bewerbungsanlagen sind. Sonst ist es selbstverständlich nicht sinnvoll, dieses extra Blatt einzufügen. Besonders pfiffig finde ich übrigens die digitale Form des Anlagenverzeichnisses. Wer sich damit auskennt, kann in jedem Textverarbeitungsprogramm die entsprechenden Gliederungspunkte so verlinken, dass ich nur auf Anlage A – Schweißer Zertifikat XY klicken muss und schon komme ich direkt zu dem entsprechenden Zertifikat. Das nenne ich mitgedacht. Das ist ein seltener Service, aber er freut mich ungemein.

Letztes Thema: Arbeitsproben. Ja oder nein?

Personalreferenten: Arbeitsproben sind dann ein sinnvoller Teil der Bewerbungsanlagen, wenn ich darum gebeten habe. Das heißt: Bitte senden Sie mir Ihre Arbeitsproben, wenn in der Stellenanzeige steht „bitte Arbeitsproben mitschicken“. Ansonsten bringen Sie Ihre Arbeitsproben bitte dann mit, wenn wir uns persönlich kennenlernen, sprich im Vorstellungsgespräch. Dann können Sie mir Ihre Werke eindrucksvoll präsentieren. Das liegt mir deutlich mehr als nur mit einem Wust an Arbeitsproben zugeballert zu werden. Auch für den Bewerber hat dies übrigens Vorteile, denn: Wer auch Arbeitsproben in den Bewerbungsanlagen verzichtet, spart sich jedes Menge Drucker- und Kopierkosten oder Datenvolumen – je nachdem ob die Bewerbung postalisch oder per E-Mail verschickt wird.

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