Unangenehme Fragen und Antworten beim Vorstellungsgespräch

Unangenehme Fragen und Antworten beim VorstellungsgesprächMehmed, ein Bewerber mit Migrationshintergrund, hat bereits in diesem Artikel erklärt, wie schwer ihm die Beantwortung der Fragen gefallen ist, die nichts mit dem Job und seiner Eignung zu tun hatten, sondern nur aufgrund von Klischees und Vorurteilen gestellt wurden. Er hat unangenehme Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch am eigenen Leib erlebt. Wie das Thema grundsätzlich behandelt werden kann, soll dieser Beitrag zeigen. Nach diesem Beitrag werden Sie in der Lage sein, souverän mit unangenehmen Fragen im Vorstellungsgespräch umzugehen.

Die Tabuthemen im Vorstellungsgespräch

Wir denken, Sie werden mit uns übereinstimmen, dass es zahlreiche Themen gibt, die im Vorstellungsgespräch einfach nichts zu suchen haben. Diese möchten wir Ihnen nun gleich zu Beginn nennen. Anschließend werden wir Ihnen ein paar einfache Tipps an die Hand geben, wie Sie mit unangenehmen Fragen im Vorstellungsgespräch klarkommen können.

  • Sie müssen keine Details zu Ihrem Privatleben nennen.

Damit steht Ihr Recht, Ihre Privatsphäre zu schützen, gegen das, was einen Arbeitgeber brennend interessiert. Das heißt für Sie auch, dass Sie abwägen müssen. Natürlich können Sie von Ihrem privaten Engagement berichten – wenn das jobrelevant ist. Die Frage nach ihren familiären Plänen sollten Sie nicht beantworten. Diese steht auf der roten Liste und darf per se nicht gefragt werden.

Natürlich wird Ihnen die Frage gestellt, warum Sie sich beruflich neu orientieren wollen. Wenn Sie das aus einer ungekündigten Stellung heraus tun, antworten Sie hier bitte positiv: Sie möchten die Karriereleiter erklimmen, den Ort wechseln, … Nennen Sie nie den blöden Chef, den hirnlosen Abteilungsleiter oder das zu geringe Gehalt als Gründe für Ihren Wechsel. Wenn Sie indes gekündigt wurden, wird es durchaus schwieriger, denn: Lügen ist nicht erlaubt. Aufgrund von Sparmaßnahmen gekündigt worden zu sein, ist heute keine Schande mehr. Wer die sprichwörtlichen goldenen Löffel geklaut hat, sich also etwas Schwerwiegenderes zu Schulden hat kommen lassen, muss Farbe bekennen, sollte aber erläutern, was er aus seinem Fehler gelernt hat.

  • Das Thema Geld wird Thema sein, sollte aber unkommentiert bleiben.

Wenn Sie in der glücklichen Lage sind, bereits im Bewerbungsschreiben auf Ihre Gehaltsvorstellung hingewiesen zu haben, dann könnte das Thema lediglich zur Randnotiz werden. Wenn nicht, hoffen Sie darauf, dass der Personalleiter Ihnen verrät, wie die Stelle dotiert ist. Liegt das Gehalt unter Ihren Vorstellungen, verschweigen Sie dies. Handeln Sie nie vorschnell und geben Sie nie an, dass Ihnen das zu wenig ist. Sie wissen nicht, welchen Benefit der Job mit sich bringt. Selbst wenn Sie sich erst über das Gehalt mokieren und dann zusagen, hinterlässt das einen faden Beigeschmack. Das Unternehmen fühlt sich als Notlösung – und das sind keine guten Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit.

Auf die zugegebenermaßen etwas provokativ gestellte Frage, welche Rolle Geld für Sie spielt, sollten Sie nicht von oben herab antworten. Natürlich ist Geld wichtig, sonst würde sich Ihr Gegenüber sicherlich fragen, warum Sie überhaupt eine Erwerbstätigkeit anstreben. Erklären Sie auf diese Frage, dass die Geldfrage grundsätzlich für beide Parteien zufriedenstellend zu klären sein muss: Der Arbeitnehmer muss seine Rechnungen bezahlen können und der Arbeitgeber muss wirtschaften.

  • Schlechte Erfahrungen sind tabu.

Misserfolge können jeden ereilen, das ist kein Geheimnis. Wenn Sie aber schlechte Erfahrungen mit Ihren Ex-Kollegen oder Ihrem Chef gemacht haben, ist nun der perfekte Zeitpunkt, um zu schweigen. Ziehen Sie niemals jemanden durch den Kakao. Sie schüren damit lediglich die Angst, dass Sie es ebenso mit Ihrem neuen Arbeitgeber tun würden. Damit machen Sie sich zum unbeliebten und vor allem auch gefährlichen Kollegen. Versuchen Sie zumindest ein gutes Haar zu finden und dies auszuformulieren. Das hilft schon, um vom Verdacht abzulenken, dass Sie Ihren Chef am liebsten nachts auflauern würden.

Unser Lösungsweg für unangenehme Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch

Gemein, gemeiner, am gemeinsten. Wer sich auf die schlimmsten Fragen vorbereiten möchte, kann sich einmal selbst Antworten auf diese Fragen überlegen:

  • Wie kritikfähig sind Sie?

Achtung: Der Königsweg ist hier nicht wie ein Bulldozer zu reagieren und anzugeben, dass es Ihnen komplett egal ist, ob Sie jemand kritisiert. Viel wichtiger ist es darzustellen, dass Sie sich der Kritik annehmen, diese auf Ihren Wahrheitsgehalt prüfen und entsprechende Ableitungen für sich treffen. Wenn Sie Beispiele nennen möchten, sollten diese aus dem beruflichen Umfeld stammen.

Ihre Kritikfähigkeit kann auch durch die Blume getestet werden: Provokante Fragen wie etwa die Frage „Sind Sie nicht zu unerfahren für die Stelle“ werden liebend gerne dafür herangezogen. Bleiben Sie stets souverän. Ärgern Sie sich nicht. Antworten sie ruhig und bestimmt, dass Sie dies anders sehen und Ihre junge, unkonventionelle Art mehr Chancen bieten kann, als Ihr Gegenüber vermuten mag.

  • Erinnern Sie sich an Ihren letzten „Regelbruch“. Was ist passiert?

Die Herausforderung an dieser Stelle lautet, weder Anhänger des blinden Gehorsams zu sein, noch ein anstrengender Quertreiber zu sein. Wer sich ab und an mit Bedacht und situationsbedingt gegen gesetzte Regeln stellt, der gräbt sich damit kein Einstellungsgrab, sondern präsentiert sich als mündiger Arbeitnehmer mit eigenem Gedankengut. Auch hier gilt: Das von Ihnen gewählte Beispiel muss aus der Geschäftswelt stammen. Tipp: Falls Sie mehr auf dem Kerbholz haben, wählen Sie bitte das Beispiel aus, dass Sie am besten aufzeigen lässt, dass es eine situationsbedingte Entscheidung war, die sich selten bis nie wiederholen wird.

Persönlicher dürfen Sie indes auf Fragen antworten, die auch so gemeint sind: Die Frage nach Ihrem verrücktesten Tag ist beispielsweise so eine Frage, die Sie gerne ganz persönlich beantworten dürfen.

  • Welche drei Eigenschaften fehlen Ihnen?

Wenn Ihnen freigestellt wird, ob es sich um eine positive oder negative Charaktereigenschaft handelt, ist das kein Segen, sondern vielmehr ein Fluch, denn: Welche Eigenschaften sollten ausgewählt werden und welche Seite bekommt eine Eigenschaft mehr? So oder so sollten Ihre erwähnten Eigenschaften immer eins: spannend sein. Langweilen Sie Ihr Gegenüber nicht damit, dass Sie zum 100. Mal den Perfektionismus als Ihre größte Schwäche darstellen. Das wäre nicht nur eine glatte Themaverfehlung, sondern auch nicht wirklich innovativ.

Halten Sie Ihre gewählten Eigenschaften in der Waage. Vielleicht fehlt Ihnen das Vertriebs-Gen. Wenn das nicht das Wichtigste in Ihrem Wunsch-Beruf ist, können Sie das durchaus nennen und somit vielleicht sogar Ihr Berufsziel erklären. Grundsätzlich muss immer der Text in der Stellenanzeige berücksichtigt werden. Nennen Sie nie eine Eigenschaft, die Ihr Arbeitgeber sich wünscht, als nicht existent.

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