Tipps Bewerbung Elternzeit

Wenn Sie Ihren Beruf trotz Nachwuchs im Blick behalten, wird der Wiedereinstieg leichter.

In Deutschland ist es meist die Frau, die nach der Geburt des Kindes eine berufliche Auszeit nimmt und in Elternzeit geht. Es gibt zwar auch immer mehr Männer, die zu Hause bleiben und sich um den Nachwuchs kümmern. Doch bei Vätern dauert die Pause oft nur wenige Wochen oder ein paar Monate.

Im Unterschied dazu dehnen viele Frauen die Elternzeit aus und übernehmen mehrere Jahre lang die Rolle der Hausfrau und Mutter. Sind die Kinder größer, möchte oder muss so manche Frau ins Arbeitsleben zurückkehren. Doch der berufliche Wiedereinstieg gestaltet sich mitunter schwierig. Oft sogar viel schwerer als gedacht. Was also gilt es bei einer Bewerbung nach der Elternzeit zu beachten?

Elternzeit Bewerbung

In Deutschland legt meist die Frau ihre berufliche Karriere zugunsten der Familie auf Eis. Quelle: Statistika

Aller Emanzipation zum Trotz belassen es viele deutsche Familien bei der traditionellen Aufgabenteilung: Solange die Kinder klein sind, geht der Mann in Vollzeit arbeiten, während sich die Mutter um den Nachwuchs und den Haushalt kümmert. Gut ein Drittel entscheidet sich für diese Variante. Zusammen mit den Frauen, die sich unabhängig von einer Elternzeit um die Kinderbetreuung kümmern, sind es sogar noch mehr. Ein zweites beliebtes Modell geht so: Beide Elternteile gehen arbeiten und teilen sich die Betreuung und Erziehung der Kids. Dass die Frau zum Hauptverdiener wird und der Mann die Kinder versorgt, anstelle oder neben der Berufstätigkeit, ist die Ausnahme.

Es ist also in erster Linie die Frau, die als Mutter beruflich kürzer tritt oder ihren Job vorübergehend komplett aufgibt. Auf der anderen Seite werden die beruflichen Auszeiten zunehmend kürzer. Viele Frauen möchten oder müssen schneller ins Berufsleben zurückkehren.

Gibt es eine Absprache mit dem Arbeitgeber, ist der Wiedereinstieg nicht allzu schwierig. Bei einer Aufgabe des Jobs und einer längeren Pause ist es hingegen gar nicht so leicht, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Und je länger die Auszeit andauerte, desto schwerer wird es. Wir erklären Ihnen, wie ein erfolgreicher Wiedereinstieg gelingen kann. Und wir zeigen Ihnen, welche typischen Fehler Eltern machen, wenn sie sich nach der Auszeit bewerben.

Wenn Sie nach der Elternzeit an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollen

Viele Frauen wissen von Anfang an, dass sie nach der Geburt des Kindes recht schnell ins Berufsleben zurückkehren möchten. Deshalb laufen inzwischen viele Arbeitsverträge weiter – auch dank der Regelungen, die der Gesetzgeber in diesem Bereich auf den Weg gebracht hat. Nach der Elternzeit kann die Frau dann einfach an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Haben Sie ein bestehendes Arbeitsverhältnis, sparen Sie sich die Jobsuche und das Schreiben von Bewerbungen.

Bleiben Sie am Ball

Trotzdem sollten Sie die Familien-Auszeit nicht wie einen langen Urlaub handhaben. Denn auch wenn Sie die Zeit mit Ihrem Nachwuchs sehr genießen, sollten Sie Ihren Job ebenfalls im Blick behalten. Bleiben Sie am Ball und beherzigen Sie folgende Tipps:

  • Halten Sie Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber und Ihren Kollegen.
  • Informieren Sie sich regelmäßig über größere Veränderungen und wichtige Projekte.
  • Schlagen Sie vor, auch während der laufenden Elternzeit an internen Schulungen, Seminaren oder Fortbildungen teilzunehmen.
  • Bieten Sie an, dass Sie hin und wieder als Krankheits- oder Urlaubsvertretung einspringen.
  • Klären Sie frühzeitig mit Ihrem Arbeitgeber, wann und mit welcher Stundenzahl Sie an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Vielleicht können Sie mit Ihrem Arbeitgeber ja vereinbaren, dass Sie die Arbeitszeit schrittweise wieder erhöhen oder flexibel gestalten können. Oder dass Sie einen Teil der Arbeit von zu Hause aus erledigen. Eventuell können Sie auch in Teilzeit in Ihren alten Job zurückkehren.
  • Stellen Sie rechtzeitig sicher, dass die Betreuung Ihres Kindes gewährleistet ist.
  • Leiten Sie Ihren Wiedereinstieg frühzeitig ein. Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, schon während der Elternzeit wenigstens ein paar Stunden pro Woche arbeiten zu gehen. Bis zu 30 Stunden pro Woche dürfen Sie während Ihrer Elternzeit arbeiten. 

Auf diese Weise geraten Sie nicht in Vergessenheit, auch wenn Sie pausieren. Und Sie stellen die Weichen für eine erfolgreiche Rückkehr an Ihre alte Stelle oder einen ähnlichen Arbeitsplatz. Denn wenn Sie fachlich und persönlich auf dem Laufenden sind, müssen Sie weit weniger nachholen. Ziehen Sie sich in der Elternzeit hingegen komplett zurück, fangen Sie letztlich wieder bei Null an.

Wenn Sie eine neue berufliche Herausforderung suchen

Sie hatten vor Ihrer Auszeit einen befristeten Arbeitsvertrag, der nicht verlängert wurde? Im Unternehmen gab es strukturelle Veränderungen oder der Betrieb ist inzwischen eingestellt? Sie wollen nicht mehr bei Ihrem alten Arbeitgeber oder in Ihrem bisherigen Beruf arbeiten? Natürlich kann gut sein, dass Sie nach der Elternzeit nicht mehr an Ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren wollen oder können. Und grundsätzlich bietet sich die Gelegenheit an, den Wiedereinstieg nach der Elternzeit mit einer beruflichen Neuorientierung zu verknüpfen.

Allerdings sollten Sie sich dieses Vorhaben nicht zu einfach vorstellen. Nach einer längeren Unterbrechung einen guten Job zu finden, ist schon schwer genug. Wenn Sie sich dann auch noch in einem komplett neuen Arbeitsfeld versuchen wollen, ist die neue Herausforderung doppelt so groß. Und das gilt sowohl für die Bewerbung als auch für Ihre Berufstätigkeit.

Nutzen Sie die Elternzeit

Möchten Sie in einem neuen Beruf durchstarten, sollten Sie frühzeitig mit den Vorbereitungen beginnen. Ihre berufliche Neuorientierung sollten Sie nicht erst nach, sondern schon während der Elternzeit in Angriff nehmen. Überlegen Sie sich, in welche Richtung es gehen soll und wie Sie sich ihre berufliche Zukunft vorstellen. Informieren Sie sich, was Sie für Ihren Neustart brauchen und eignen Sie sich die entsprechenden Kenntnisse an. Dazu können Sie Kurse belegen, zum Beispiel um eine Fremdsprache zu lernen oder Ihre PC-Kenntnisse zu vertiefen. Oder Sie können an passenden Fortbildungen teilnehmen. Auch ein Fernstudium oder ein Minijob können gute Lösungen sein.

Letztlich geht es um folgendes: Sie sammeln bei Ihrer Bewerbung Pluspunkte, wenn Sie das Berufsleben auch während der Elternzeit nicht aus den Augen verloren haben – und die Auszeit somit nicht einfach nur eine Lücke im Lebenslauf ist.

Die Arbeitsagentur hilft

Für Ihre Jobsuche nach der Elternzeit können Sie sich Hilfe von der Arbeitsagentur holen. Dabei gibt es spezielle Beratungsangebote und Programme für Jobsuchende, die nach der Elternzeit auf den Arbeitsmarkt zurückkehren wollen. Setzen Sie sich also frühzeitig mit der Arbeitsagentur in Verbindung. Zusammen mit dem Arbeitsberater können Sie dann einen Plan erstellen, wann, wie und in welchen Beruf Sie nach der Elternzeit einsteigen wollen.

Je nach Ziel dauert so ein Wiedereinstiegsprogramm meist zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Damit die Kinderbetreuung gewährleistet ist, können Sie die Maßnahme sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit absolvieren. Außerdem können Sie während der Wiedereinstiegsmaßnahme einen Zuschuss zu den Kinderbetreuungskosten bekommen. In einigen Städten haben die örtlichen Arbeitsagenturen sogar eigene Betreuungsmöglichkeiten geschaffen. So wissen Sie Ihr Kind in guten Händen, während Sie sich um ihre Karriere kümmern. Fragen Sie also ruhig nach!

Bewerbung nach Elternzeit: Vermeiden Sie diese Fehler

Egal, ob Sie sich auf eigene Faust oder unterstützt durch die Arbeitsagentur auf Jobsuche begeben: Natürlich sind Sie voller Tatendrang und freuen sich auf Ihre neuen Aufgaben. Diese Motivation müssen Sie bei Ihrer Bewerbung vermitteln. Zusätzlich dazu müssen Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber aufzeigen, welches Können und Wissen Sie für den neuen Job mitbringen. Und Sie müssen sich als zuverlässiger Mitarbeiter präsentieren, auf den der Arbeitgeber zählen kann.

Auf der anderen Seite gibt es ein paar typische Fehler, die in Bewerbungen von Berufsrückkehrern nach der Elternzeit immer wieder auftauchen. Und im Ergebnis oft zu einer Absage führen. Damit Ihnen das nicht passiert, nennen wir Ihnen die klassischen Fallstricke. Und sagen Ihnen, wie Sie es besser machen.

Fehler Nr. 1: Der Lebenslauf hat eine Lücke.

Grundsätzlich müssen Sie Ihren Familienstand in Ihrer Bewerbung nicht angeben. Sie brauchen also keine Angaben dazu zu machen, ob Sie beispielsweise verheiratet sind oder ob und wie viele Kinder Sie haben. Folglich müssten Sie auch die Elternzeit nicht erwähnen. Lassen Sie diese Information weg, entsteht aber eine Lücke im Lebenslauf. Sind seit Ihrem Abschluss oder Ihrem letzten Job mehrere Jahre vergangen und gibt es zu diesem Zeitraum keinerlei Angaben, wird sich der Personaler fragen, was Sie in dieser Zeit gemacht haben. Und selbst wenn Sie Kurse oder Weiterbildungen aufzählen, wird der Personaler diese Infos vielleicht nicht richtig einordnen können.

Aus diesem Grund sind Sie in aller Regel besser beraten, wenn Sie den entsprechenden Zeitraum als Elternzeit angeben. So ergibt sich ein lückenloser Lebenslauf. Optimal ist, wenn Sie dann noch aufzeigen können, dass Sie die Auszeit für berufliche Aktivitäten genutzt haben. 

Fehler Nr. 2: Die sichergestellte Kinderbetreuung wird nicht erwähnt.

Dadurch, dass Sie die Elternzeit angegeben haben, weiß der Personaler, dass Sie Nachwuchs haben. Folglich wird er auch wissen wollen, wie es mit der Betreuung der Kinder aussieht. Als Arbeitgeber braucht er Mitarbeiter, auf die er sich verlassen kann. Er möchte nicht riskieren, dass er sich regelmäßig um Ersatz kümmern muss, weil Sie wegen der fehlenden Kinderbetreuung häufiger Fehlzeiten haben. Machen Sie deshalb gleich im Anschreiben klar, dass Sie alles gut organisiert haben und Ihre Kinder während Ihrer Arbeitszeiten sicher versorgt sind.

Fehler Nr. 3: Die Stärken werden nicht genug herausgearbeitet.

Eine Bewerbung ist Werbung in eigener Sache. Sie präsentieren sich und Ihre Stärken und liefern dem Personaler Argumente, warum er Sie zum Vorstellungsgespräch einladen und Ihnen die Stelle geben sollte. Natürlich ist es nicht unbedingt die beste Ausgangssituation, wenn Sie gerade eine längere Auszeit hinter sich haben. Doch selbst wenn Sie sich „nur“ um Ihre Kinder gekümmert haben, haben Sie in der Elternzeit Erfahrungen gesammelt, die auch fürs Berufsleben wertvoll sind. Belastbarkeit, Flexibilität, Empathie oder Organisationstalent sind ein paar Beispiele für Soft Skills, mit denen Sie aufwarten können.

Stellen Sie Ihr Licht also nicht unter den Scheffel. Sondern vermitteln Sie selbstbewusst, was Sie können. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf Ihre Ausbildung, Ihre fachlichen Qualifikationen und praktischen Berufserfahrungen. Und argumentieren Sie mit den Stärken, die Sie als Person ausmachen und die Sie durch Ihr Muttersein (oder natürlich Vatersein) ausgebaut haben.

Tipps für das Bewerbungsanschreiben

Stimmen Sie Ihr Bewerbungsschreiben auf die Stellenanzeige, den Job und das Unternehmen ab. Warum möchten Sie für diese Firma arbeiten? Welche Anforderungen stehen im Inserat und wie können Sie belegen, dass Sie die genannten Anforderungen erfüllen? Was macht Sie zum geeigneten Kandidaten für die Stelle?

Natürlich können Sie kurz darauf eingehen, wenn Sie trotz Elternzeit gearbeitet haben. Und Sie können erläutern, welche Fortbildungen Sie besucht und welche Kenntnisse Sie sich während der Elternzeit angeeignet haben. Aber stellen Sie die Elternzeit nicht in den Mittelpunkt. Der neue Arbeitgeber interessiert sich nicht für Ihren Familienalltag oder Ihre Erziehungsmethoden. Er will wissen, ob Sie der richtige Kandidat für die Stelle sind und was er davon hat, wenn er sie einstellt.

Dass Sie in Elternzeit waren, sollte bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Der Fokus Ihres Anschreibens sollte auf Ihren Qualifikationen, Ihrem Know-how und Ihrer Motivation für die ausgeschriebene Stelle liegen.

Tipps für den Lebenslauf

Im Anschreiben haben Sie bereits ausgeführt, warum Sie die Stelle unbedingt wollen und was Sie dafür mitbringen. Im Lebenslauf geht es nun darum, Ihren Werdegang lückenlos zu dokumentieren. Und deshalb findet auch die Elternzeit hier Ihren Platz.

Haben Sie während der Elternzeit Kurse belegt, Weiterbildungen besucht, eine Umschulung gemacht oder sich anderweitig fortgebildet, können Sie die Elternzeit wie eine berufliche Station behandeln. In diesem Fall wird die Elternzeit also zu einem eigenen Punkt in der Kategorie „beruflicher Werdegang“, den Sie mit aussagekräftigen Stichworten beschreiben. Versuchen Sie dabei, die erworbenen Kenntnisse so darzustellen, dass sie zum Stellenprofil passen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie die Elternzeit als eigenständige Rubrik in Ihren tabellarischen Lebenslauf aufnehmen. Das macht aber nur dann Sinn, wenn Sie genug Inhalte und Nachweise haben, um die Kategorie zu füllen. Können Sie keine weiteren Angaben zur Elternzeit machen, können Sie den Zeitraum in die Kategorie „Sonstige Kenntnisse“ einfügen.

Bewerbung nach Elternzeit – noch einmal kurz zusammengefasst

Grundsätzlich bewerben Sie sich nach der Elternzeit genauso wie aus jeder anderen Situation heraus auch. Und für Ihre Bewerbung gelten die gleichen Regeln. Doch damit Ihr Wiedereinstieg schnell und reibungslos klappt, sollten Sie folgende Punkte im Hinterkopf haben:

  • Verlieren Sie den Job auch während der Elternzeit nicht aus den Augen. Versuchen Sie die Zeit zu nutzen, um sich fachlich und persönlich weiterzubilden.
  • Konzentrieren Sie sich in der Bewerbung auf ihre fachlichen Qualifikationen, ihre beruflichen Erfahrungen und Ihre persönlichen Stärken. Vergessen Sie dabei die Fähigkeiten und Kenntnisse nicht, die Sie sich gerade durch Ihr Elterndasein angeeignet haben.
  • Geben Sie die Elternzeit an, damit es nicht zu Lücken im Lebenslauf kommt. Aber machen Sie kein großes Thema daraus und gehen Sie nicht zu sehr ins Detail.
  • Stellen Sie klar, dass Sie beruflich voll durchstarten wollen und die Kinderbetreuung sichergestellt ist.

Und nun wünschen wir Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Rückkehr in die Arbeitswelt!