Bewerbungsaufbau

Welche Fehler sollten Sie vermeiden?

Während eine Bewerbung noch vor rund zwei Jahrzehnten aus maximal drei Dokumenten bestand, eventuell noch einem kleinen Bewerbungsfoto, haben Sie heute besonders in der digitalen Welt unbegrenzte Möglichkeiten, sich bestmöglich zu präsentieren. Auf der einen Seite ist diese Entwicklung positiv, um sich aus der Masse abheben zu können, auf der anderen Seite birgt dieser große Gestaltungspielraum beim Bewerbungsaufbau aber auch sehr viel mehr Fehlerpotential. Das kann Bewerber schnell überfordern, denn trotz aller Freiheiten gibt es immer noch ungeschriebene Regeln, die für jede Bewerbung gelten.

Wie Sie diesen Spagat zwischen einer individuellen, aber auch formal korrekt aufgebauten Bewerbung meistern, erfahren Sie hier. Indem Sie sechs bestimmte Fehler vermeiden, gehen Sie sicher, eine zumindest formal perfekt aufgebaute Bewerbung abzugeben. Das ist wichtig, denn der Aufbau dient nicht nur der Übersichtlichkeit, sondern ist auch psychologisch ausgeklügelt, um Ihre Kompetenzen in das beste Licht zu rücken. So sind die einzelnen Punkte direkt abrufbereit und bleiben dem Personaler ohne viel Aufwand im Kopf.

Gibt es zu viele Informationen in einer Bewerbung? Sind Sie rechtlich verpflichtet, bestimmte Dokumente anzufügen und haben Sie Nachteile zu befürchten, wenn Sie das nicht tun? Welcher Bewerbungsaufbau hat sich als ideal erwiesen? Die folgenden sechs Fehlerquellen geben Antworten rund um diese Fragen. So haben Sie einen Leitfaden an der Hand, mit dem Sie sich kreativ austoben können, aber immer noch jede formale Anforderung erfüllen.

 

#1 Bewerbungsaufbau: Angaben ohne Bezug zum Stellenangebot

Bei einer schriftlichen Bewerbung wurde die Mappe irgendwann zu schwer zum Verschicken. Im digitalen Zeitalter sieht das anders aus: Bewerber hängen an Ihre Unterlagen alle irgendwie relevanten Zeugnisse und Zertifikate an, um die eigene Kompetenz zu unterstreichen. Natürlich ist 5 MB die Obergrenze, aber 10-20 Dokumente passen in dieses Format und werden daher gerne verschickt.

Das sollte Ihnen nicht passieren. Ein Papierkrieg ist das Letzte, was einen Personaler für Sie einnimmt. Die Aufgabe bei einer Bewerbung ist schlicht: Eine Begründung verfassen, warum genau Sie in exakt diesem Unternehmen in der ausgeschriebenen Position erfolgreich arbeiten können. Der Fehler, zu viel an Information mit einer Bewerbung zu transportieren, hat folgende negative Auswirkungen:

  • Sie riskieren, Ihr Profil zu verlieren. Ein Personaler muss erkennen können, auf welchem Gebiet Sie Stärken haben und auch, wo eventuell Ihre Schwächen liegen. Nur so ist eine Abschätzung möglich, ob Sie in den Kreis der gesuchten Personen passen. Nimmt dieser Prozess aufgrund von zu viel Information Zeit in Anspruch, landen Ihre Unterlagen schnell auf dem Ablagestapel.
  • In Ihrer Bewerbung muss deutlich werden, was Ihr Ziel ist. Sollten Ihre Zeugnisse, Zertifikate und andere Anlagen alle in diese Richtung gehen, haben Sie gute Karten. Das ist allerdings selten der Fall. Verwenden Sie daher nur Anlagen, die mit diesem Ziel übereinstimmen.
  • Sie verschenken sich die goldene Gelegenheit, im Vorstellungsgespräch zu überraschen. Ein wirklich guter Bewerber sollte immer noch einen Trumpf im Ärmel, oder eine unerwähnte Qualifikation mit in das Vorstellungsgespräch bringen. So bleiben Sie im Gedächtnis.

 

#2 Kreatives Durcheinander: Nicht in der Bewerbung

Auch wenn Sie sich für einen Job in einer kreativen Branche bewerben: Ihre Unterlagen sollten übersichtlich und ordentlich in einer Reihenfolge eingeordnet werden. Das hilft dem Leser dabei, Ihren Argumentationsfluss zu verstehen und Ihre Motivation einzuordnen.

Eine Reihenfolge der verschiedenen Dokumente, die psychologisch geschickt ist, finden Sie in den folgenden Stichpunkten:

  • Das Anschreiben. Dieses Dokument kommt selbst noch vor dem Deckblatt. Hiermit vermitteln Sie Ihre Motivation und Ihr Anliegen, was den Blick des Lesers auf die gesamten restlichen Dokumente beeinflusst.
  • Das Deckblatt. Je nachdem, ob Sie ein Deckblatt verwenden, sollten Sie darauf achten, es erst nach dem Anschreiben zu platzieren. Darauf gehören Ihre Daten, die angestrebte Position, ein Datum und auch ein Bewerbungsbild.
  • Der Lebenslauf. Hier sollte deutlich werden, an welcher Stelle Ihrer beruflichen Laufbahn Sie sich aktuell befinden und auch, wohin Sie wollen. Falls Sie kein Deckblatt verwenden, können Sie an dieser Stelle Ihr Bewerbungsfoto einfügen.
  • Zertifikate und Zeugnisse. Alle diese Unterlagen sollten im Lebenslauf erwähnt werden und in Bezug zur Stelle stehen. Ordnen Sie Ihre Anlagen nach der Aktualität, das bedeutet, die neuesten Abschlüsse und Kurse liegen vorne.

 

#3 Lebenslauf: Angaben ohne Zertifikate

Rechtlich sind Sie nicht dazu verpflichtet, in Ihrer Bewerbung irgendwelche Aussagen zu belegen. Praktisch sieht das natürlich anders aus, denn ohne konkrete Belege werden Personaler schnell stutzig.

Besonders für Kandidaten, die von Ihrer letzten Stelle noch ein Zeugnis erwarten, ist dieser Punkt schwierig. Denn ein fehlendes Zeugnis ist nicht weit von der Annahme entfernt, dass Sie sich im Schlechten mit Ihrem letzten Arbeitgeber getrennt haben.

Beugen Sie daher jeder Spekulation vor, indem Sie plausible Gründe für fehlende Belege äußern und sich so in eine positive Lage versetzen. Vielleicht ist Ihr Zeugnis noch nicht angekommen, weil es einen Wechsel in der Führung gab? Oder Sie befinden sich seit längerer Zeit auf Arbeitssuche? Egal, welche Gründe Sie haben: In dieser Situation sollten Sie Ihre Beweggründe transparent kommunizieren. Welche Angaben Sie nicht machen müssen, oder worüber Sie schweigen können, finden Sie im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz.

Falsche Angaben dagegen, die sich im Nachhinein, auch schon bei angetretenem Arbeitsverhältnis als unwahr herausstellen, können Sie auch dann noch den Job kosten. Vorsätzliche Täuschung ist ein legitimer Grund für eine fristlose Kündigung.

 

#4 Anschreiben: Wo ist ihr roter Faden?

Ein weiterer Fehler im Bewerbungsaufbau, der viele Bewerber betrifft, ist ein unstrukturiertes Anschreiben. Natürlich ist es einfacher, Inhalte herunterzuschreiben. Allerdings riskieren Sie damit, dass ein Leser Ihnen nicht folgen kann. Die folgende Struktur hat sich dabei bewährt, Ihre Argumente und Aussagen einheitlich aussehen zu lassen:

  1. Absender und Datum. Auch wenn diese Daten bereits auf dem Deckblatt stehen, gehören Sie trotzdem auch auf das Bewerbungsschreiben. Häufig wandert dieses Blatt nämlich auch einmal allein zum Personaler.
  2. Die Betreffzeile. Machen Sie in wenigen Worten deutlich, worum es geht. Nennen Sie dabei immer die angestrebte Position. Gerade bei großen Unternehmen werden oft mehrere Stellen ausgeschrieben, wodurch Sie direkt zugeordnet werden können.
  3. Die persönliche Anrede. Versuchen Sie immer, den Namen Ihres Ansprechpartners in Erfahrung zu bringen. Diese kurze Recherche bringt Ihnen viele Sympathiepunkte.
  4. Die Einleitung. Sparen Sie sich Phrasen und Floskeln. Starten Sie stattdessen mit einem furiosen ersten Satz! Wer Sind Sie? Was können Sie? Woher kommen Sie? Diese drei Fragen sollten immer beantwortet werden.
  5. Der Hauptteil. Hier dürfen Sie benennen, warum genau Sie die geeignete Person für diesen Job sind. Eigenmarketing ist das zentrale Element dieses Absatzes.
  6. Der Unternehmensbezug. Auch wenn Sie alle Qualifikationen mitbringen: Warum wollen Sie sie eigentlich genau in diesem Betrieb einsetzen? Welchen Mehrwert hat der Betrieb von Ihnen?
  7. Wichtige Informationen. Achten Sie darauf, je nach Stellenausschreibung immer die Fragen zu beantworten. Insbesondere das mögliche Einstiegsdatum und Ihre Gehaltsvorstellung sollten kommuniziert werden.
  8. Der letzte Satz. Genauso wie der erste Satz, gehört ein ebenso fulminantes Ende auch dazu. Zeigen Sie Ihre Begeisterung und Ihre Vorfreude auf ein Vorstellungsgespräch
  9. Grußformel und Unterschrift. Wenn es Ihnen möglich ist, verwenden Sie die händische Unterschrift. Das ist zwar kein Ausschlusskriterium mehr, aber einen guten Eindruck macht es immer noch.
  10. Das Anlagenverzeichnis. Führen Sie auf, in welcher Reihenfolge den Leser welche Dokumente erwarten. Das hilft bei der späteren Sortierung.

 

#5 08/15 Bewerbungsaufbau: Meiden Sie diese Fehler

Sie können Ihre Bewerbung perfekt aufbauen, trotzdem merken Personaler schnell, wenn es sich um eine Massenbewerbung handelt. Formulierungen, die auf jedes Unternehmen passen, keine konkreten Bezüge und unklare Floskeln wecken schnell den Eindruck, dass diese Bewerbung auch bei ein paar anderen Lesern auf dem Tisch liegt.

Achten Sie auf die folgenden drei Tipps, damit Ihnen dieser Fehler nicht passiert:

  1. Verwenden Sie einen Lebenslauf mit einem Abschnitt für eine Zieldefinition. Kostenlose Vorlagen dafür finden Sie online. So können Sie einen regulären Lebenslauf in kurzer Zeit individuell auf das Stellenangebot anpassen.
  2. Versuchen Sie, das Design Ihrer Bewerbung in den Farben zu gestalten, die auch das Unternehmen verwendet. Das ist ein psychologischer Trick, der suggeriert, dass Sie schon dazu gehören. Aber übertreiben Sie es nicht, Ihre Individualität sollte gewahrt bleiben.
  3. Gehen Sie im Anschreiben detailliert und konkret auf das Unternehmen ein. So kann sichergestellt werden, dass Sie sich auch wirklich damit auseinandergesetzt haben.

 

#6 Chaos im Lebenslauf: Was ist Ihr Ziel?

Genauso wie im Anschreiben, sollte auch im Lebenslauf eine klare Struktur erkennbar sein. Ein vollbeladenes Blatt mit Information hilft häufig nicht viel, im Gegensatz zu wenigen Informationen, die perfekt präsentiert werden.

Ihre Reihenfolge könnte wie folgt aussehen:

  1. Kurzinfo. Hier können Sie eine Zieldefinition verfassen, in der Sie indirekt die Frage beantworten, wo Sie sich in fünf Jahren sehen.
  2. Angestrebte Position. Auch diese Angabe gehört auf das Blatt, da der Lebenslauf, genau wie das Anschreiben auch einmal alleine weitergereicht wird.
  3. Berufliche Erfahrung. Falls Sie schon mehrere Jahre im Berufsleben stehen, gehören diese Punkte in antichronologischer Folge an den Anfang.
  4. Ihre Ausbildungsstationen.
  5. Praktika. Machen Sie nur Angaben, die Sie durch ein Zeugnis belegen können.
  6. Besondere Kenntnisse. Dazu gehören Sprachen, PC-Kenntnisse und alle weiteren Fähigkeiten, die Sie positiv von anderen Bewerbern unterscheiden.
  7. Zertifikate. Erwähnen Sie alle Anlagen thematisch sortiert, die Sie Ihrer Bewerbung anhängen möchten.
  8. Hobbies. Auch wenn dieser Punkt inzwischen nicht immer gefragt ist: Damit zeigen Sie, ob auch Sie als Person zu der Stelle und dem Team passen.

Bewerbungsaufbau: So gehen Sie richtig vor

Sie wissen jetzt, dass es neben einem herausragenden Inhalt auch auf die Form ankommt. Indem Sie die sechs genannten Fehler vermeiden und in Ihre, wenn auch kreative Bewerbung, Struktur bringen, erleichtern Sie dem Leser das Verständnis. So ist der Schritt nicht mehr weit zu einem überzeugten Personaler und der Einladung zum Vorstellungsgespräch. Viel Erfolg!