Bewerbungsgespräch nach Kündigung

Wie treten Sie trotz Herausforderungen positiv auf?

Ein Bewerbungsgespräch ist eine herausfordernde Situation. Sie müssen sich nicht nur an Ihre Argumente erinnern, sondern auch kompetent, selbstbewusst und überzeugend auftreten. Und das alles in einer Lage, die eher an eine Prüfung erinnert, als an ein entspanntes Gespräch.

Wenn zudem noch der Traumjob auf dem Spiel steht, ist es um die Nerven vieler Kandidaten geschehen. Diese Herausforderung zu meistern ist also ohnehin schon nicht einfach. Noch schwieriger wird es, wenn Sie sich aus einer Arbeitslosigkeit oder nach einer Kündigung heraus bewerben. Denn in dieser Situation werden Sie mit Fragen konfrontiert, die manchmal gar nicht so einfach zu beantworten sind.

Die gute Nachricht an dieser Stelle lautet: Je größer die Herausforderungen für Sie sind, desto größere Chancen können Sie daraus machen. Eine Kündigung ist immer ein einschneidendes Erlebnis in einer Karriere. Nicht selten treten Arbeitnehmer danach sehr viel reflektierter an neue Jobs heran. Genau dieses Argument ist es, was Ihnen gegenüber Ihrer Konkurrenz einen großen Vorteil verschafft. Wie Sie so aus Ihrer Schwachstelle eine Stärke machen können, lesen Sie hier. So brauchen Sie vor dem nächsten Bewerbungsgespräch nach Kündigung nicht mehr nervös werden.

Was wollen Personaler eigentlich herausfinden? Welche Fragen kommen auf Sie zu? Gibt es Strategien, die optimal zu Ihrer Situation passen und welche Formulierungen sind professionell und gleichzeitig authentisch? Müssen Sie überhaupt auf alle Fragen antworten? Rund um diese Punkte finden Sie hier Antworten. Mit diesem Wissen können Sie entspannt in Ihr nächstes Vorstellungsgespräch starten – auch nach einer Kündigung. Denn eins ist offensichtlich: Es besteht bereits Interesse an Ihnen, sonst hätten Sie keine Einladung erhalten!

 

Bewerbungsgespräch nach Kündigung: Das wollen Personaler wissen

Eine Kündigung oder eine Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit heraus ist erst einmal kein Makel, auch wenn viele Bewerber so empfinden und sich dadurch in eine defensive Haltung gedrängt fühlen. Dem Personaler dagegen geht es in erster Linie gar nicht darum, Sie als Bewerber ohne feste Anstellung zu benachteiligen. Er möchte mögliche Risiken abklären, die diese Situation mit sich bringt. Für eine Kündigung gibt es nämlich viele Gründe, die nicht unbedingt ein neues Arbeitsverhältnis beeinflussen. In einem Bewerbungsgespräch nach Kündigung und Arbeitslosigkeit, möchte Ihr Gegenüber aus diesem Grund in der Regel Informationen über folgende Punkte bekommen:

  •  Gab es Schwierigkeiten innerhalb des Teams oder mit Ihrem Vorgesetztem? Diese Ursache ist ein häufiger Kündigungsgrund und darf genannt werden. Allerdings geht es hier nicht darum, Ihren bisherigen Arbeitgeber schlecht zu machen, sondern reflektiert zu erläutern, warum Sie sich in einem neuen Umfeld besser entfalten können.
  •  Haben Sie sich in der alten Position über- oder unterfordert gefühlt? Insbesondere wenn die Aufgaben des neuen Jobs vergleichbar mit denen Ihres bisherigen Jobs sind, möchte der Personaler wissen, ob Sie dazu ausreichend qualifiziert sind.
  •  Wie gut können Sie mit der Situation umgehen? Manchmal geht es gar nicht so sehr um harte Fakten, sondern um Ihre Art, auf Nachfragen zu antworten. Nervöses Ausweichen oder Standardantworten zeigen, dass Sie sich mit der Situation noch nicht auseinandergesetzt haben.
  •  Haben Sie ihren alten Job aufgrund Unterbezahlung oder mangelnder Wertschätzung verlassen? Dieser Grund ist durchaus legitim und macht dem Personaler direkt deutlich, was Sie von einem neuen Job erwarten.

Wie Sie sehen, geht es im Bewerbungsgespräch nicht darum, Details aus Ihrem vorherigen Arbeitsverhältnis auszubreiten. Der Personaler hat lediglich die undankbare Aufgabe, durch so spezifische Fragen wie möglich auszuloten, ob Ihre Kündigung in irgendeiner Weise das neue Arbeitsverhältnis negativ beeinflussen könnte. Wenn Sie diese Sorge glaubhaft dementieren können, steht einem weiteren erfolgreichen Gespräch nichts mehr Im Wege!

 

Antworten und Formulierungen: Finden Sie passende Worte!

Auch wenn Sie nun wissen, dass der Personaler aus guten Gründen die Hintergründe Ihrer Kündigung in Erfahrung bringen möchte, hilft Ihnen das in der akuten Situation manchmal nicht dabei, die geeigneten Worte zu finden. Auch wenn Ihr Gegenüber vielleicht ganz sachlich nachfragt, kann das Thema Ihrer Kündigung immer noch emotional belastet sein. Deswegen kann es sehr helfen, sich bereits im Vorhinein Worte zurecht zu legen, die Ihnen in der Situation helfen. Die folgenden Beispiele und Formulierungen geben Ihnen ausreichend Inspiration für Ihre eigene Argumentation.

 

#1 Bewerbungsgespräch nach Kündigung: Die Suche nach neuen Herausforderungen

Der einfachste und am häufigsten genannte Grund ist der Wunsch nach einer beruflichen Weiterentwicklung und neuen Aufgabengebieten. Jeder Arbeitnehmer durchläuft in seinem Arbeitsleben einen Entwicklungsprozess, der es von Zeit zu Zeit erfordert, sich neu zu orientieren und einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter zu machen.

Gerade, wenn das vorherige Unternehmen vielleicht keine Aufstiegschancen anbieten konnte, ist eine Kündigung ein positiver Schritt. Das können Sie zum Beispiel so formulieren:

Obwohl mir meine langjährige Beschäftigung bei der Firma ___ sehr erfolgreich war und ich bis zuletzt voll im Team integriert war, ist bei mir der Wunsch nach einer neuen Herausforderung über das letzte halbe Jahr immer stärker geworden. Der Fachbereich ___ hat mich schon während des Studiums/der Ausbildung fasziniert. Leider gab es bei meinem bisherigen Arbeitgeber keine Möglichkeit, sich hier einzusetzen, weswegen ich mich nach langem Zögern entschlossen habe, diesen Schritt zu gehen.

 

#2 Authentisch bleiben: Was ist wirklich passiert?

Nach dem Arbeitsschutzgesetz sind Sie im Vorstellungsgespräch nicht dazu verpflichtet, Details aus Ihrem vorherigen Arbeitsleben preis zu geben. Allerdings kann eine wortkarge Antwort und eine generelle Verschlossenheit dem Thema gegenüber Ihrem Gesprächspartner eine große Unsicherheit signalisieren.

Sie müssen daher nicht alle Gründe nennen, aber es gilt, möglichst nah an der Wahrheit zu bleiben. Wenn Sie sich zum Beispiel mit mehreren Teamkollegen nicht verstanden haben, könnte Ihre Antwort wie folgt aussehen:

Die Beschäftigung bei der Firma ____ war meine erste Berufserfahrung im Bereich ____. Obwohl ich dort sehr viel lernen konnte und auch erfolgreich mitgearbeitet habe, ist mir nach und nach aufgefallen, dass ich mich menschlich in einer anderen Teamstruktur besser zurecht finde. Mir liegt es, Teil eines dynamischen Teams mit flachen Strukturen zu sein, in der Ideen offen diskutiert werden und Kreativität geschätzt wird. Das ist Teil Ihrer Unternehmenskultur, weswegen ich mich für eine Bewerbung entschieden habe.

 

#3 Berufliche Umorientierung: Ein Neustart im Job

Ein weiterer, durchaus legitimer Grund ist der Wunsch nach einer inhaltlichen Umorientierung. Selbst wenn Sie sich in Ihrem altem Team pudelwohl gefühlt haben und selbst am Wochenende mit dem Chef um die Häuser gezogen sind: Zufriedenheit im Job hat oberste Priorität, weswegen eine inhaltliche Neuorientierung manchmal unumgänglich ist.

Bei diesem Grund haben Sie einen besonderen Vorteil: Sie bringen Begeisterung und Motivation für das neue Fachgebiet mit. Das sollten Sie daher besonders betonen.

Nach meiner mehrjährigen Tätigkeit bei der Firma ____ ist es mir sehr schwergefallen, die Entscheidung zu dem Schritt der Kündigung zu treffen. Durch den erfolgreichen Einsatz meines Teams habe ich mich dort sehr wohl gefühlt und eine hohe Wertschätzung erfahren. Allerdings hat mein Wunsch, auch im Bereich ____ zu arbeiten, nach und nach doch dazu geführt, dass ich mich umorientieren möchte. Ich hoffe, auch hier wieder positive Erfahrungen innerhalb eines neuen Teams zu sammeln.

 

#4 Bewerbungsgespräch nach Kündigung: Änderungen in der Chefetage

Manchmal kann es passieren, dass Sie jahrelang in ein und demselben Unternehmen arbeiten, plötzlich aber sich ändernde Umstände zu einem völlig veränderten Arbeitsklima führen. Gerade wenn sich die alte Chefetage mit einer Neuen abwechselt, kann es zu Veränderungen in der Unternehmensphilosophie kommen, die Arbeitnehmern Bauchschmerzen bereitet. Der beste Schritt ist in einem solchen Fall nicht selten, das Feld zu räumen und in einem Unternehmen neu zu beginnen, das die eigenen Werte vertritt.

Doch wie kommuniziert man diese Entscheidung? Das folgende Beispiel zeigt: Geben Sie Ihrem Gegenüber genügend Informationen, um sich selbst zu informieren.

Ich habe ____ Jahre erfolgreich im Unternehmen ____ gearbeitet und dabei gerade innerhalb meines Teams viele positive Erfahrungen gesammelt. Im ____ diesen/letzten Jahres hat das Unternehmen allerdings eine Veränderung durchlaufen, was selbstverständlich auch auf ____ zurückzuführen ist. Mehr Informationen darüber finden Sie unter _____. Da für mich persönlich nur eine hohe Identifikation mit den Zielen meines Arbeitgebers zu einer zufriedenstellenden Arbeit führt, habe ich mich nach kurzer Bedenkzeit dafür entschieden, meine Kapazitäten in ein Unternehmen zu investieren, mit dem ich mich wieder identifizieren kann.

#5 Familiäre Gründe: Welches Unternehmen passt zu Ihnen?

Auch wenn alles passt, das Team, der Chef, die Unternehmensphilosophie: Es können auch Ihre Umstände sein, die zu einer Kündigung geführt haben. Gerade, wenn sich Nachwuchs ankündigt, ist es in der Regel mit den Dienstreisen und Überstunden jedenfalls für die ersten paar Jahre vorbei.

Da muss ein Job her, der zwar die Unkosten deckt, aber trotzdem eine familienfreundliche Unternehmensstrategie fährt. Das ist kein Makel: Viele Unternehmen bedienen diesen Markt, da auch viele Arbeitnehmer nach diesen Stellen suchen. Auch Ihr Grund zur Kündigung aufgrund unpassender Arbeitsbedingungen wird normalerweise anstandslos akzeptiert.

In den letzten Jahren meines Berufslebens habe ich sehr viel in mein berufliches Fortkommen investiert und dabei mit hohem Einsatz zum Unternehmenserfolg beigetragen. Daran habe ich sehr viel Freude gehabt und werde mein Team vermissen. Allerdings haben sich durch familiäre Änderungen Prioritäten verschoben, die es mir unumgänglich machen, meine Erfahrung nun in einem Job mit weniger zeitlichem Engagement einzusetzen. Ihre Unternehmensphilosophie entspricht diesem Wunsch, weshalb mir die Entscheidung zu einer Bewerbung nicht schwergefallen ist.

 

#6 Kündigung als Stärke: So gelingt es Ihnen

Manchmal sind es nicht die privaten Gründe, das Unternehmen ist immer noch das alte und eigentlich haben Sie sich mit Ihren Aufgaben auch ganz wohlgefühlt. Manchmal sind es einfach doch die menschlichen Differenzen, die viele Arbeitnehmer dazu bewegen, sich nach einem neuen Job umzusehen.

Diese Vorgehensweise ist durchaus nachvollziehbar, allerdings ist es keine gute Idee, im Vorstellungsgespräch alle Argumente auszubreiten und über Ihren alten Arbeitgeber herzuziehen. Besser ist es, die Situation reflektiert zu beleuchten und eigene Schlüsse zu ziehen. So können Sie Ihre Entscheidung sogar in eine Stärke verwandeln.

Nach einer mehrjährigen erfolgreichen Tätigkeit im Unternehmen ___ wurde ich mit einer Situation konfrontiert, aus der ich dieses Mal nicht fachlich, sondern menschlich lernen musste. Nach meiner Entscheidung zur Kündigung habe ich mich daher bewusst mit der Situation auseinandergesetzt und entschieden, dass Differenzen auch großes Potential in sich bergen. So bin ich mir zum Beispiel nun meiner Schwächen, aber auch meiner Stärken besser bewusst und freue mich schon, mit einem neuen Team positiv zusammenarbeiten zu können.

 

Bewerbungsgespräch nach Kündigung: Ihre Antwort, Ihre Entscheidung?

Egal, aus welchen Gründen Sie eine Kündigung erfahren haben oder selber gekündigt worden sind: Dieses Ereignis ist kein Grund für Bauchschmerzen vor einem neuen Vorstellungsgespräch. Wenn Sie sich bereits im Vorhinein mit der Situation auseinandergesetzt haben und reflektiert Ihre Gründe erläutern können, kann aus dem Risiko sogar eine Chance werden. Nutzen Sie daher diese Möglichkeit zu einem Neuanfang ohne Bedenken. Viel Erfolg!